|
VON DER KUNST DES TURNENS ZUR KUNST
DES BOBFAHRENS
Markus, Deine sportliche Jugend hast Du
mehrheitlich in der Turnhalle verbracht, wie bist Du dazu gekommen, den Eiskanal
als Herausforderung zu suchen?
Nach über 15
Jahren Kunstturnen suchte ich eine neue Herausforderung. Da kam ein Gespräch mit
einem ehemaligen Bobfahrer gerade richtig, denn diese Sportart hat mich bereits
von klein her sehr fasziniert. Anschliessend durfte ich dann mit dem Bobclub St.
Moritz in ein Trainingslager nach Igls (Austria), wo ich bei einem Senior als
Bremser mitfuhr. So wurde mir die Faszination Bobfahren näher gebracht! Und der
Entscheid die sportliche Zukunft im Bobsport zu suchen lag auf der Hand!
Beim Bobteam
Roger Graber wurde ich dann als Trainingsbremser eingesetzt, bevor ich mich
entschied, selber das Steuer in die Hände zu nehmen und die Bobpilotenschule
besuchte.
Kannst Du den Lesern kurz schildern,
wie die Ausbildung zum Bobpiloten verläuft?
Meine
Bobpilotenschule absolvierte ich in St. Moritz auf dem Olympia Bobrun St.
Moritz-Celerina.
Nach einer
obligatorischen Bahnbegehung (Einführung) durften wir bereits mit einem
sogenannten Feierabendschlitten die Bahn bewältigen. Dieser Bob ist nicht so
schnell wie ein Rennbob. Trotzdem kann es auch Stürze mit diesem Gefährt geben,
was mir zum Glück nicht passiert ist, denn dieser Bob hat keine Seitenwände.
Am zweiten Tag
sind wir auf einen Rennschlitten umgestiegen. Die Umstellung ist gewaltig! Bei
der ersten Fahrt ging alles noch sehr gut und ich bin mit meinem Bremser auf
allen vier Kufen ins Ziel gekommen. Leider sind wir dann bei meiner zweiten
Fahrt im Horse Shoe gestürzt. Bei diesem Sturz erlitt ich eine kleine
Hirnerschütterung, diese hinderte mich, die Pilotenlaufbahn weiter zu machen!
Ein Jahr
darauf, konnte ich dieselbe Schule nochmals absolvieren und zwar diesmal in Igls
bei Marcel Rohner (Olympiamedaillen Gewinner in Nagano Japan). Diese Ausbildung
schloss ich ohne Sturz und mit Erfolg ab!
Seit 2003 hast Du, mit Hilfe und
grosser Unterstützung Deiner Eltern, Dein eigenes Bobteam gegründet wie waren
die Anfänge, das 1. Jahr, wie hat die Konkurrenz darauf reagiert?
Als Team
wurde ich in der Bobgemeinde gut integriert und akzeptiert. Es wurde mir von
verschiedenen Teams im materiellen und mentalen Bereich geholfen.
Den Bobsport im profimässigen Rahmen
zu betrieben, kostet viel Fleiss und Schweiss. Wie sieht bei Dir, neben dem
Arbeiten auf einer grossen Schweizer Bank, der Trainings-Alltag aus, wie viele
Stunden pro Woche?
Ich bin in der
glücklichen Lage, dass ich neben meinem 100% Job auf der Zürcher Kantonalbank
meinem Hobby nachgehen kann. Die ZKB ist auch im Winter sehr flexibel mit meiner
Saisonplanung!
Zur Zeit
absolviere ich vier bis fünf Trainingseinheiten ( Kraft-, Sprung-, Sprint- und
Mentaltraining) von je 2 Stunden bei meinem Trainer Dominik Scherrer (Sportchef
Schweizer Bobverband)
Das Training
ist eine Sache, die Stunden die ich für administrative Arbeiten brauche ist die
zweite Sache! Als Teamchef bin ich sowohl für das ganze Sponsoring, Fan- und
Memberclub, Event Organisation verantwortlich, sowie für die Anliegen des ganzen
Teams. Die Homepage wird durch meinen langjährigen Anschieber Andreas Krättli
super betreut.
Bleiben da nicht andere Hobbys
zurück oder widmest Du Deine ganze Freizeit dem Bobsport?
Die
Freizeit investiere ich zu einem grossen Teil für meine Leidenschaft, das
Bobfahren! Klar muss bei einem so intensiven Trainings- und Administrativ Pensum
„Einiges“ zurückgesteckt werden. Aber von „verpassen“ kann nicht die Rede sein.
Es macht mir Spass und das ist das Wichtigste!
Spitzenathleten werden vermutlich,
zusätzlich neben Sponsoren, auch noch vom Team entlöhnt. Wie kannst Du Dein Team
diesbezüglich zufrieden Stellen? Reichen die Sponsorengelder aus, um die fixen
Kosten, wie Reise, Unterkunft, Essen an den Wettkämpfen und das Bobmaterial
(Schlitten, Kufen, etc.) zu übernehmen, oder fliessen da zusätzlich noch Gelder
aus Deiner privaten Ersparnis.
Ich versuche
einen grossen Teil der Kosten meiner Teammitglieder zu übernehmen. Wie zum
Beispiel Boblizenz, Klubbeitrag, Unterkunft, Essen usw.
Wir müssen uns
sicherlich von einem Profi Team unterscheiden. Löhne werden dort bezahlt, da
diese Athleten sich ein halbes Jahr nur dem Bobsport widmen und so keinen fixen
Lohn von Ihrem Arbeitgeber erhalten. So ist es auch verständlich, dass Teams
Löhne und Preisgelder den Athleten zahlen.
Wir durften bis
jetzt auf langjährige Sponsoren- und Gönnergelder zählen. Dies ist in der
heutigen wirtschaftlichen Lage nicht mehr selbstverständlich. „Bei dieser
Gelegenheit ein grosses Dankeschön für Eure grosszügige Unterstützung.“ Dieses
Geld geht zu 100% in den Bob Sport für mein Team! Klar wird noch ein schöner
Teil von meinem privaten Konto für diese schöne Sportart eingesetzt!
Mit diversen
Events füllen wir natürlich unser „Bobkässeli“ ein wenig auf! Man braucht Ideen,
von nichts kommt nichts!
Aktuell ist es Sommer, wann geht die
Saison los und wie fühlst Du Dich zum heutigen Zeitpunkt?
Der Winter
kommt bald, und wir als Team sind Mitten in unseren Vorbereitungen für die
Saison 07/08!
Leider bin ich
immer noch am auskurieren meiner aktuellen Verletzung. Darum ist zur Zeit nur
ein eingeschränktes Training möglich. Wassertraining und Physiotherapie. Ich bin
trotzdem guten Mutes und freue mich auf den Saisonstart.
Am 23.
September findet die Anstoss Schweizermeisterschaft auf der offenen Rennbahn in
Oerlikon Zürich (Züspa) statt. Dies wird sicherlich ein spezieller Event, da die
Anstoss Schweizermeisterschaft das erste Mal auf Eis ausgetragen wird.
Anfang November
werde ich mit meinem Team das erste Eistraining in Deutschland absolvieren!
Anschliessend findet das Trainingslager in Igls (Innsbruck) statt!
Wie schätzt Du
Dich und Dein Team für die kommende Saison ein, was sind, kurz, Deine
Saisonziele?
Ich habe ein
sehr starkes Team in meinem Rücken. Es sind teilweise langjährige Wegbegleiter
in dieser Sportart! Auf die kommende Saison konnte ich mein Team mit zwei
starken Anschiebern verstärken!
Die
A-Schweizermeisterschaft ist sicherlich der grosse Höhepunkt der Saison. Unsere
Konkurrenz schläft nicht. Wir streben als grosses Ziel eine Platzierung unter
den ersten 15 an.
Neu wird neben
dem Weltcup und Europacup noch ein Alpencup ins Leben gerufen. Bei diesem
Alpencup wollen wir natürlich mitfahren und unser Bestes geben.
Was habt Ihr, gegenüber dem letzten
Jahr verändert, was konnte verstärkt werden?
Mit den zwei
neuen Anschieber haben wir das Team im athletischen Bereich sicherlich
verstärkt. Und auch im materiellen wollen wir mit der Konkurrenz mithalten
können, darum haben wir auch in den materiellen Anforderungen konkrete Pläne!
Wo kann man Dich live anfeuern, wann
ist Dein nächstes Rennen auf heimischen Boden?
Eine
gute Gelegenheit sind sicherlich die A Schweizermeisterschaften vom 5. Januar
2008 auf dem Olympia Bobrun St. Moritz-Celerina. Es würde uns freuen, möglichst
viele Fans an der Bahn anzutreffen.
Markus, ich
wünsche Dir und Deinem Team in der kommenden Saison alles, alles Gute und
"allzeit sturzfreie Fahrt"
Interview Simon Derron Uster
|